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  • am 23. februar 1986, meinem 23. geburtstag, fühlte ich, das ich schwanger war, es war das schönste geschenk meines lebens.
    schon einen tag später wußte ich es mit gewißheit, der arzt bestätigte mein gefühl und gratulierte mir.
    mein größter wunsch ging in erfüllung, ja florian war mein wunschkind. die vorfreude war so groß, ich war der glücklichste mensch auf der erde.

    aber schon sehr bald hatte ich das gefühl, daß irgend etwas nicht in ordnung war...
    ich wußte es wird ein junge (gefühl).
    ich wußte er ist behindert oder er kommt tot zur welt (gefühl).
    jeder hielt mich für verrückt, selbst mein frauenarzt konnte mich nicht ernst nehmen.
    wie auch?

    die schwangerschaftsübelkeit, die bei mir den ganzen tag anhielt, und den kreislaufschwierigkeiten fiel ich einige zeit in der schule aus, ich absolvierte eine umschulung. meine beschwerden wurden immer schlimmer, und mein blutdruck war zwischenzeitlich so hoch, das ich daraufhin vom arzt aus die weitere ausbildung sofort beenden mußte. er sagte, wenn ich weiter machen würde, wäre dies für das baby und für mich sehr gefährlich...

    schweren herzens hörte ich auf. so kurz vor der prüfung war es schon eine enttäuschung gewesen, aber ich freute mich auf mein kind. und nichts in der welt hätte ich riskiert, daß meinem kind hätte schaden zufügen können. fast die ganze schwangerschaft hindurch mußte ich alle zwei wochen zum frauenarzt. der hohe blutdruck und die übelkeit, es hörte einfach nicht auf. so gut es mir auch am anfang ging, ich dachte schon, ich würde von den begleiterscheinungen verschont bleiben, welch ein irrtum dies war. aber ich genoß die schwangerschaft trotzdem, ich habe alles ganz bewußt erlebt, so wie ich es mir immer gewünscht habe.

    zu den ultraschalluntersuchungen nahm ich meine nichte mirjam mit und bei der 2. untersuchung konnte der arzt ihr auch ihre frage beantworten. sie hatte schon beim 1 mal gehofft von ihm zu hören „es wird ein mädchen“. doch nun mußte sie erfahren das „es ein junge wird“ es war ganz deutlich zu erkennen. sie war etwas enttäuscht gewesen, aber wir konnten sie überzeugen, das es egal ist, das es nur wichtig ist, dass das baby gesund sei.

    florian kam am 6. november 1986 durch kaiserschnitt zur welt, mit 11 tagen verspätung. da ich selbst keine wehen bekam, mußte ich am 5. november an einen wehentropf. nach ca. 30 minuten setzten die wehen ein, mir, oder besser gesagt uns, standen nun 29 harte stunden bevor.

    ich wollte auch in dieser zeit alles ganz bewußt erleben, aber ganz ohne schmerzmittel bin ich dann doch nicht ausgekommen. so bekam ich für die nacht zäpfchen, daß ich wenigstens mal ein paar minuten zur ruhe kam, denn die wehen kamen schlag auf schlag. schlafen konnte ich aber trotzdem nicht, die längste wehenpause lag bei 10 minuten. sobald ich merkte das es wieder los ging, mußte ich raus aus meinem bett, im liegen waren die schmerzen zu groß. bei den geringsten anzeichen einer wehe, stützte ich mich auf die fensterbank, so konnte ich die wehen besser aushalten. zum glück stand mein bett direkt am fenster, so brauchte ich nicht erst um ein anderes bett zu gehen. es war die angenehmste haltung, in der badewanne, auf der toilette oder mit einer rückenmassage konnte ich die wehen kaum aushalten. ich konnte die frauen, die im wasser entbinden nicht verstehen, aber jeder empfindet es ja anders.

    mein mann ist abends nach hause gefahren, die hebamme meinte, dass es in dieser nacht bestimmt nicht kommen würde und es sinnlos sei auch noch im krankenhaus zu bleiben. außerdem könnte sie immer noch anrufen, wenn es doch noch los gehen sollte. morgens war ich völlig fertig, ich hatte keine kraft mehr, fühlte mich bis aufs letzte ausgelaugt. schon sehr früh wurde ich von meinem frauenarzt untersucht, ich hatte eine leichte blutung. mein arzt (belegarzt) meinte, ich würde im laufe des tages spontan entbinden. obwohl ich vor der untersuchung total mit meinen kräften am ende war und meinte nicht mehr zu können, bekam ich durch die gute nachricht soviel kraft, daß ich glaubte die letzten stunden hätten gar nicht statt gefunden. es war ca. 8.00 uhr, und ich freute mich so sehr auf mein baby. als ich aus dem untersuchungszimmer kam, lief mir mein mann schon entgegen, und ich erzählte ihm die gute nachricht. auch er freute sich darüber, denn er ist in solchen fällen eher ein ängstlicher mensch. ich sprühte nur so vor optimismus, meine euphorie ließ mich die wehen viel leichter ertragen. in der schwangerschaftsgymnastik sagte die hebamme, daß wir bei jeder wehe denken sollen: „diese wehe bringt mir mein kind näher, bald werde ich mein baby im arm halten.“ und das wollte ich, also sagte ich es mir immer vor, auch das es sein muß und die schmerzen gehören eben dazu. wer ein kind will, muß auch bereit sein die wehen auszuhalten. also ging es weiter, am späten nachmittag öffnete sich der muttermund nicht mehr, er blieb auf 6 cm stehen, und so entschloß sich die hebamme, dem arzt bescheid zugeben, daß ein kaiserschnitt nun unerläßlich sei. meine kraft war auch wieder auf dem nullpunkt angelangt, jeglicher optimismus war dahin. all meine illusionen von einer natürlichen geburt wurden nun über den haufen geworfen.

    die hebamme machte mich für die operation bereit, und legte mir einen antiwehentropf an, der allerdings überhaupt keine wirkung zeigte. nach ca. einer stunde schob die schwester mich in den, von mir so gefürchteten, operationssaal (seit meiner kindheit bin ich nicht mehr operiert worden).

    mein mann blieb vor dem op zurück und wartete auf uns. ich zitterte am ganzen körper und war mit den nerven am ende. meine ganze angst galt der narkose, eine op-schwester versuchte mich zu beruhigen, aber völlig vergebens, erst als mein frauenarzt zu mir kam und beruhigend auf mich einredete konnte ich mich etwas entspannen. meine wehen waren immer noch genauso stark wie vorher, was keiner verstehen konnte. als der narkosearzt meine hand nahm, sah er den grund, meine vene war ganz entzündet und verstopft, die flüssigkeit hatte sich in meiner hand angesammelt. er mußte eine neue nadel legen und dann ging alles sehr schnell, in kürzester zeit war ich eingeschlafen.

    florian erblickte um 19.26 uhr das licht der welt!





    ich wurde vom narkosearzt mit den worten: „sie haben einen jungen“, geweckt. eine schwester schob mein bett auf die wachstation, wo ich einen ganzen raum für mich alleine hatte. langsam wurde ich ungeduldig, ich wollte florian endlich bei mir haben. mein mann kam irgendwann zu mir und sagte, dass die säuglingsschwester mir florian bald bringen würde. auch, dass er schon fotos von florian gemacht habe, und das florian sehr müde sei. kein wunder dachte ich, denn er hat ja die selben schmerzen aushalten müssen wie ich selbst und vielleicht hat er zuviel narkosemittel ab bekommen. der arme, wenn ich gekonnt hätte, hätte ich ihm die lange prozedur gerne erspart. die schwester meinte florian sei gesund, sein apgar war gut 09 / 09 / 10 punkte.

    florian wurde also in der 42. woche durch sectio wegen geburtsstillstand im beckeneingang entbunden.
    er war 55 cm groß und 4480 gramm schwer.

    mir ging es sehr gut, die narkose hatte ich gut vertragen, keinerlei übelkeit und ich war auch nicht müde. ich war nur überglücklich das sich meine gefühle nicht bestätigt hatten. erst um 21.30 uhr brachte mir die schwester mein baby, florian sah genau so aus wie ich mir mein kind vorgestellt hatte. nur war er sehr dick, florian war voller wasser genau wie ich. nach einer woche jedoch war das wasser aus seinem körper abgebaut. er war so süß, seine dunklen haare und die zarte haut war kein bißchen verschrumpelt. ich genoß es in vollen zügen, endlich meinen florian bei mir zu haben, ihn beobachten zu können. er roch so gut nach baby, er fühlte sich so wunderbar an. seine augen standen leicht schräg, so dass man meinen könnte, es wäre irgend etwas asiatisches im blut. florian hatte eine kleine stirn und wunderschöne blaue augen. ich war so stolz, am liebsten hätte ich die ganze welt umarmt, vor lauter glück. wie jede mutter glaubte auch ich, mein kind sei das schönste der welt.

    ich hatte mich immer gesund ernährt um meinem Baby alles zu geben was es in der schwangerschaft brauchte, liebe und gesundheit. ich trank keinen alkohol und rauchte nicht. mein ganzes leben richtete ich nach meinem wunschkind, ich wollte nur das beste für uns zwei.

    nachdem die schwester mir mein kind gebracht hatte, blieb florian eine stunde bei mir, dann holte sie florian wieder ab und brachte ihn ins kinderzimmer. wie ich diese stunde genossen habe, nie hatte ich so ein intensives gefühl erlebt, als florian in meinem arm lag. die ganze nacht dachte ich nur an ihn, ich konnte es kaum abwarten florian wiederzusehen. vor lauter aufregung konnte ich nicht schlafen, ich sehnte mir den morgen herbei. um fast 11.00 uhr holte mich die schwester, bis dahin dachte ich, die zeit geht nicht um. kurz nach dem ich im zimmer war, kam die schwester mit florian. ich war so aufgeregt, irgendwie konnte ich mein glück immer noch nicht fassen. meine liebe für ihn war unendlich groß.