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  • florians trauerrede

    psalm 28.6

    gelobt sei der herr, denn er hat erhört die stimme meines flehens.

    liebe eltern von florian,
    liebe trauergemeinde!

    ich habe nach passenden worten gesucht, die uns jetzt helfen könnten, die wir am sarg von florian stehen. aber mir ist aufgegangen, daß es solche worte nicht gibt, von denen wir sagen könnten - sie "passen".

    wir müssen uns eingestehen, daß die fragen nach dem tod von florian, auch über den heutigen tag hinaus, viel größer bleiben werden als die antworten, die wir geben können.

    wir sind hilflos und müssen uns eingestehen, daß wir es sind.

    es wäre sogar unpassend zu dem, was sie liebe eltern von florian, mit ihrem sohn seit seiner geburt durchlitten haben, irgendeine antwort in wohlgesetzten worten zu suchen. eigentlich gibt es für uns alle nur einen weg: ihnen zur seite zu stehen und ihnen diesen tag nicht noch schwerer zu machen als er ist.

    wir können nur mit ihnen fragen, mit ihnen seufzen, mit ihnen klagen, mit ihnen nach dem sinn der letzten monate suchen. ich betone mit ihnen. antworten, die wir von außen geben würden, müßten an ihnen abprallen, solche worte würden sie verfehlen.

    eine antwort haben sie versucht, selbst zu geben, als sie den vers aus dem 28. psalm aussuchten, als vers, der uns heute trösten und aufrichten, der uns den tag heute verständlicher machen soll.

    gelobt sei der herr, denn er hat erhört die stimme meines flehens.

    florian konnte noch nicht sprechen, aber das haben sie gespürt, daß er fleht, daß er um hilfe ruft. und daß er nun sterben durfte, daß er friedlich eingeschlafen ist, das ist für sie wie die erhörung seines flehens. er ist von seinem leiden erlöst. er muß sich nicht weiter quälen. er muß nicht weiter kämpfen um luft.

    und obwohl es ihnen im herzen wehtut, ihn herzugeben, sagt ihnen ihr verstand; es ist besser so für ihn. besser kein leben hier auf erden als ein unwürdiges leben, das sich einer maschine verdankt.

    er hat erhört die stimme meines flehens.

    und sie erkennen sich mit der eigenen stimme wieder in diesen worten. es ist auch ihre eigene stimme, die in den letzten monaten immer wieder gefleht hat, das sich der alpdruck löst.

    "entweder soll es sicher sein, daß florian mit seiner behinderung überleben kann oder er soll erlöst werden."

    denn das zwischendrin, das wechselbad von hoffnung und verzweiflung war unerträglich. sie erlebten mit, wie ihr sohn leiden mußte, wie er um das leben kämpfte. aber seine kräfte waren immer wieder zu schwach für diesen kampf. ihr kind so leiden zu sehen, war unerträglich. als eltern so hin- und hergerissen zu werden, ging auch über ihre kräfte.

    er hat erhört die stimme meines flehens.

    wenn ihnen, liebe eltern von florian, dieser satz zur gewißheit geworden ist, dann steckt in ihm vielleicht auch das, was sie in der trauer trösten kann.

    "er hat erhört."

    wer ist dieser er? gott, der herr, der vater jesus christi, ist damit gemeint. aber kann dieses wort - gott - sie und uns alle, die wir hier am sarge eines kindes stehen, trösten? wird uns das wort gott nicht bitter, wenn wir an den tod eines säuglings denken? wir müssen mit ihnen fragen wie sie es selbst immer wieder getan haben.

    warum hat er es zugelassen? hat gott etwas mit dem zu tun, was passiert ist? hat er mit dem allen etwas beabsichtigt? lauter fragen, auf die wir keine antwort haben. ein dichter kommt mir in den sinn, der sagte, er könne nicht an gott glauben, solange ein kind unschuldig leiden müsse, ich würde jesus ein ähnliches wort zutrauen.

    ist gott ein weltdespot, der bald freundlich, bald grausam mit uns schicksal spielt? ist er an unseren freuden und leiden desinteressiert? auch nicht interessiert an einem einzigen kleinen jungen? obgleich das gängige gottesvorstellungen sind, sind sie schrecklich, und fast denke ich, daß sie auch für jesus schrecklich waren.

    er hat erhört die stimme meines flehens.

    mit diesem satz muß ein anderer als der schicksalsdespot gemeint sein. einer, der unser flehen hört, hat ein herz. er fühlt mit. er leidet mit. er geht mit.

    und doch bleibt dieser er - bleibt gott - heute am sarge florians nicht mehr als ein seufzer, als ein großes fragewort. hört er die stimme des flehens ihres sohnes? so werden sie weiterfragen und es wäre wohl, zu einfach, die frage ohne weiteres mit ja zu beantworten.

    ich denke heute mit ihnen, liebe eltern von florian, zurück an den tag der taufe. da wurde florian für sein leben vor gott ein psalmvers mit auf den weg gegeben:

    "der herr ist mein licht und mein heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der herr ist meines lebens kraft; vor wem sollte mir grauen." (psalm 27.1)

    derjenige, der erhört ist licht und heil und lebenskraft. wie lassen sich diese worte mit florians kurzem leben in einklang bringen? bedeuten diese worte nicht einfach: unser leben ist angenommen, bevor wir es in unsere hand nehmen?

    liebe eltern von florian, ihnen war es damals eine große hilfe, daß die paten sich ihnen zur seite stellten und zeigten; wir haben den florian mit euch lieb und wir werden mit euch für ihn verantwortung tragen. das geschah aus freien stücken. und wenn taufe bedeutet, daß gott dies tun wird und will, weiter als menschliche paten es können? wäre uns das ein trost? würde uns das aufrichten? neben dem sarg florians brennt seine taufkerze. sie soll ein zeichen sein für das was der psalmvers versagt: "der herr ist mein licht und mein heil!"

    kann es uns trösten, wenn wir sagen; mit der kerze leuchtet auch dieser satz weiter nach dem tode florians. er ist weiterhin angenommen. gott ist ihm weiterhin licht und heil und kraft auch jetzt in der dunkelheit des todes. kann es uns trösten, wenn wir so reden?

    ich weiß, wie sehr sie sich vor dem heutigen tag gefürchtet haben. denn sie haben angst, daß nun wirklich alles aus ist, was am 6. november so hoffnungsvoll begann. aber ist heute wirklich alles zu ende. kann der tod auswischen, was gewesen ist? kann er auswischen, daß sie ihn geliebt haben? kann der tod auswischen, daß ärzte und schwestern sich um ihn und sie bemüht haben? kann der tod auswischen, daß florian getauft ist? wird es vergessen werden, daß er paten hat?

    ich glaube, daß all das, was sie mit ihrem sohn erlebt haben, wie sie mit ihm gelitten haben, wie sie ihn geliebt haben, mit dem tag heute nicht zu ende ist.

    ich hoffe, daß sie in der zeit der trauer weiter menschen finden, die mit ihnen fragen und die ihre antworten auf den heutigen tag verstehen. ich wünsche ihnen, daß ihre hoffnung heute mit florian nicht mitbegraben wird. ich wünsche ihnen, daß sie weiter für ihren sohn hoffen, daß sie gott weiter bitten können: vollende an ihm, was du in der taufe begonnen hast.

    ich wünsche ihnen, daß es ihnen in der zeit der trauer zur gewißheit wird: er hat das flehen von florian erhört. er wird erhören die stimme ihres flehens.

    amen.

    laßt uns beten:

    herr, wir stehen hier am sarge von florian. er hat nur kurz unter uns gelebt. unser kind - es herzugeben, wird uns schwer. unser kind - nicht zu erleben, wie es sich entfaltet, wird schwer. unser kind - sinnlos erscheint uns sein tod.

    wir denken zurück an die hoffnung, die wir durch ihn hatten. wir danken dir für die freude, die wir erlebten.

    wir bitten dich um trost, wenn wir trauern, um gute gedanken, wenn wir zweifeln, um licht in unseren herzen, wenn arge gedanken uns plagen.

    herr, du kannst auch das leben entfalten, das noch nicht voll entwickelt war. und du kannst erfüllung schenken, wo alles unvollkommen ist. du kannst bergen bei dir, was uns wie verloren vorkommt.

    wir danken dir für das wort der liebe jesus zu den kindern: laßt die kinder zu mir kommen und das wort, in dem jesus den kindern

    mehr als der leib dieses kindes ist uns jetzt sein name geblieben. diesen namen florian sprechen wir noch einmal aus vor gott und bitten:

    herr, unser gott, erinnere dich seines namens, den er von seinen eltern empfangen hat, unter dem er bekannt ist über diesen tag hinaus. seinen namen, der bei dir aufgeschrieben ist in ewigkeit. herr, vollende an florian, was du an ihm in der taufe begonnen hast.

    amen.