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florian erwies sich als wenig belastbar. welche auswirkungen die
mißbildungen hatten, wußten die ärzte selbst nicht.
am 12. november trank florian schon 5 gramm milch pro mahlzeit mehr als die
tage zuvor, immer wieder ein hoffnungsschimmer.
sollte florian sich doch erholen und mit uns nach hause dürfen, war ich die
ganze zeit nur hysterisch? ![]() nun war klar, daß florian noch im krankenhaus bleiben mußte, und ich ließ mich wieder von den ärzten vertrösten dass das vorkommen kann. aber wer konnte mir meine angst nehmen? am 19. november gab florian mir ein stück glück zurück, denn er lachte zum ersten mal. da ich genug zeit hatte mein kind den ganzen tag zu beobachten, und ich durch meine angst auf alles achtete, war es eigentlich viel mehr als glück, in worte kann ich es aber nicht fassen. wie schön wäre es gewesen, wenn wir zuhause gewesen wären und er zum erstenmal auf meinem arm gelacht hätte? solche fragen stiegen immer häufiger in mir auf. am nächsten tag wurde florian 2 wochen alt, sein nabel fiel ab. nach der aussage des arztes müßte florian jetzt entlassen werden... florian akzeptierte am 21. november wieder seine flasche, seine hautfarbe veränderte sich nicht mehr, er blieb beim trinken rosig. die ganze zeit bekam er 30% sauerstoff, doch die schwestern konnten nun den sauerstoff etwas reduzieren (21% sauerstoff sind in der luft die wir einatmen). mittlerweile trank er schon 8x70 gramm milch, gelegentlich wurde florian noch rot beim trinken, aber die ärzte meinten das wäre nicht schlimm. in den darauffolgenden tagen bekam er zum erstenmal spielzeug in den brutkasten, florian war dann ganz still und sah sich den ganzen tag seine neuen eroberungen an. ich war froh, daß florian geistig gesund war und das er anfing seine umgebung zu beobachten. florian nahm immer mehr notiz von seiner umwelt. wenn ich zu besuch kam war er meistens wach gewesen, die schönste zeit ihn zu streicheln und mit seinen fingern zu spielen. in dieser woche sind meine eltern angereist, um ihren enkel zu sehen. leider durften sie ihn nur durch die scheibe sehen, aber sie waren trotz des kalt-nassen wetters jeden tag auf dem balkon um ihn zu besuchen. sicher ich hatte es mir anders gewünscht, ihnen ihren enkel vorzustellen, aber trotzdem war ich in diesem moment sehr glücklich. ich hatte ihnen ihr zweites enkelkind geschenkt. wie gerne hätte ich meiner mutter jetzt florian gegeben, ich wußte, dass es auch ihr wunsch war. es war verdammt hart, dass eine oma oder ein opa ihr eigenes enkelkind nicht hautnah bei sich haben durften. für mich war das verbot zwar verständlich, aber auch unmenschlich. die dritte lebenswoche war nun überschritten, der gesundheitszustand stabilisierte sich, und florian hatte sein geburtsgewicht eingeholt, er wog 4520 gramm. die ärzte konnten die sauerstoffzufuhr wieder reduzieren. auch die elektroden, die die herztätigkeit anzeigten, konnten abgenommen werden. es ging ihm besser, und so auch mir. leider veränderte sich sein zustand ständig, oft sogar täglich. der darauffolgende tag sollte für mich ein besonderer werden. als ich in sein zimmer kam, lagen auf dem brutkasten kleider. ich sollte florian zum erstenmal richtig auf den arm nehmen dürfen. am tag seiner geburt und am nächsten morgen, lag er neben mir im bett, seither war so viel zeit vergangen und ich wollte ihn so gerne halten können. doch die enttäuschung war groß, als florian nur weinte. es gefiel ihm nicht, er wollte zurück in den brutkasten, die schwestern sagten, daß es oft so wäre, beim erstenmal. ich war sehr traurig, aber ich mußte es akzeptieren. durch den sauerstoff bildete sich viel schleim in den lungen und es kann leicht zu einer bronchitis kommen, die florian nun hatte, deshalb mußte ein antibiotika angesetzt werden. tagsüber brauchte er wieder mehr sauerstoff und so blieb es auch in den nächsten tagen. ich war zwar froh, dass nichts negatives mehr zusätzlich hinzukam, aber ich war trotzdem gefrustet über den rückschritt. der 4. dezember, florian war 4 wochen alt, sollte wieder ein stichtag für mich sein. florian wurde von der früh- und neugeborenenstation auf die normale kinderintensivstation verlegt. er hatte sich stabilisiert, und war zu groß für einen brutkasten. ich gehe den flur der station entlang in richtung florians brutkasten. - florian liegt nicht mehr in seinem brutkasten. - weg, einfach weg. wo ist mein kind, ist er tod? wo bist du? in mir schreit alles... natürlich dachte ich sofort er sei tot, aber dann sagten mir die schwestern die gute nachricht. mein mann und ich gingen sofort hoch auf die intensivstation, und sahen unser kind zum ersten mal in einem kinderbett liegen. ich war gerührt, vor lauter aufregung hätte ich am liebsten geweint. doch dafür hatte ich keine zeit, ich war viel zu beschäftigt mir florian anzusehen und ihn zu streicheln. eine schwester meinte, ich solle florian ruhig aus seinem bett nehmen und ihn auf den arm halten. endlich war es soweit, ab diesem zeitpunkt konnte ich florian immer auf den arm nehmen, und es gefiel ihm sehr. sein neues bettchen akzeptierte er sofort, auf einmal fand er es schön ohne diesen kasten um ihn herum. ![]()
die ärzte versuchten florian einen trichter über sein gesicht zu hängen, das
er keine sauerstoffsonde mehr brauchte. doch er wollte etwas sehen, und
rutschte mit seinem ganzen körper zur seite. man wollte ihn schonen, doch
florian war die sonde anscheinend lieber. ich fand den trichter auch
furchtbar, da war der brutkasten noch besser.
am 7. dezember ging es ihm immer noch gut, drei tage war er stabil und ich
genoß es in vollen zügen. es kam etwas hoffnung, ich redete mir ein das es
irgendwann auch wieder aufwärts gehen müßte. |
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