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endlich hatte ich ihn, aber schon nach kurzer zeit holte die schwester
florian wieder, er müsse abgesaugt werden, da er immer noch wasser in den
lungen hatte.
als plötzlich der kinderarzt an mein bett kam und uns mitteilte das florian
ins kinderkrankenhaus verlegt werden muß, er hätte
anpassungsschwierigkeiten, brach eine welt zusammen.
mein gefühl, daß mit florian etwas nicht stimmen könnte kam sofort zurück.
ich hatte solche angst florian zu verlieren, panik breitete sich in mir aus.
sollte mein gefühl doch recht behalten?
man versuchte mich zu beruhigen und meinte, die lange geburt hätte ihn
ziemlich mitgenommen. ich verstand nicht, warum die schwester nicht gesagt
hatte dass der kinderarzt käme, mein mann wäre dann doch mitgegangen.
anscheinend wollte die schwester allein mit dem arzt reden, uns etwas
verheimlichen. mein mißtrauen wuchs, und ich wollte mich nicht beruhigen
lassen. weiter erklärte man uns, viele kinder, auch bei normalen geburten, hätten
des öfteren schwierigkeiten mit der atmung. meine angst wurde dadurch
allerdings in keinster weise gedämpft.
zwei tage nach der entbindung kam der kinderarzt noch einmal zu mir, und
meinte in zwei wochen hätten wir florian zuhause, es gäbe keinen grund für
mich, solche angst zu haben. zwei tage voller angst und ungewißheit,
außerdem traute ich dem arzt nicht, mein mann war auch ganz fertig und um
so mehr angst bekam ich.
im gegenteil, ich steigerte mich nur noch mehr in meine angst. das alles
verunsicherte mich so sehr.
warum kommt der arzt in seiner freizeit extra zu mir (er betonte dies
besonders, weil er sauer wurde, da ich mich nicht normal verhalten konnte,
wie er sagte) und warum war mein mann nervlich so am ende?
ständig glaubte ich, man würde mir etwas verschweigen oder mich sogar
belügen, dass ich mich nicht so aufrege, um mich von der operation zu
erholen.
ich wollte es genau wissen, ständig fragte ich meinen gynäkologen ob ich
nicht in die kinderklinik fahren dürfe. mein arzt meinte, ich müßte erst
ganz gerade gehen können, also riß ich mich zusammen und übte. an einer
stelle der naht tat es sehr weh, ein faden war zu stramm gezogen worden.
am 10. november konnte ich es.
florian war jetzt 4 tage alt und ich durfte zu ihm, konnte mich endlich
selbst überzeugen, dass es ihm gut ging.
- endlich, da liegt mein kleiner sohn, mein florian -
er war so süß. ich kann das gefühl kaum beschreiben. er lebte, und das war
meine größte angst, daß ich ihn verlieren könnte. doch er lag im brutkasten
und ich durfte ihn nicht auf den arm nehmen, es tat mir weh, weil ich ihn
doch noch nie richtig an mich drücken konnte. als ich ihn durch die öffnung
des brutkastens streichelte wurde ich auf jedenfall etwas ruhiger. der
professor kam vorbei, und erlaubte den brutkasten kurz zu öffnen damit wir
florian fotografieren konnten. vorher hatten wir die oberschwester gefragt
ob wir ein paar bilder machen dürften, aber sie verbot es uns. ich war
stinksauer darüber, und ich kann nur sagen, daß es mir wie öl runterging,
als dann der professor es doch erlaubte und sie daneben stand. doch florian
weinte nur, der kasten gab ihm anscheinend sicherheit, so dass er das öffnen
nicht wollte.
solange ich bei ihm war, war ich glücklich, doch mußte ich zurück in die
entbindungsklinik, wurde ich gleich wieder unruhig.
oh, wie ich dieses kind liebte und auch heute noch liebe!

in der ersten nacht im krankenhaus brauchte florian des öfteren sauerstoff,
denn er verfärbte sich bei jeder kleinen anstrengung leicht bläulich, danach
ging es ihm dann wieder besser. er bekam zwei sonden in die nase gelegt,
eine für den sauerstoff und eine zum sondieren.
die ärzte wollten florian schonen, ihm keine kraft abverlangen. sie nahmen
eben an, dass die lange geburt zuviel für ihn war. jeder dachte, das florian
sich in den nächsten tagen erholen würde.
bis zum 9. november blieb florians gesundheitszustand gleich, es veränderte
sich nichts. die schwestern versuchten ihm die flasche zu geben, und er
trank, wenn man ihm half, das heißt, wenn die schwester oder ich auf den
sauger drückten und die milch von allein aus der flasche lief.
das essen behielt er in sich, es war ein gutes zeichen für mich. ich
klammerte mich an jedem strohhalm, mein gedanke war immer nur florian nach
hause zu holen und das er sich erholt. auch wenn meine angst immer noch groß
war, wollte ich doch zu gerne den ärzten glauben.
aber wie läßt sich ein gefühl abstellen, einfach ausschalten?
wegen des insgesamt auffallend kurzen brustkorbs, fertigten die ärzte eine
röntgenaufnahme an, diese zeigte mißbildungen der wirbelsäule. doch wir
bekamen florians gesamte diagnose immer nur stück für stück mitgeteilt. ich
war sehr unzufrieden, ich wollte endlich klarheit über die ganzen
auswirkungen der krankheit. immer hatte ich das gefühl man sage mir nicht
alles. heute weiß ich, dass die ärzte sie selbst noch nicht ganz kannten.
meine verzweiflung war groß, und mein mißtrauen wurde angeregt. ich konnte
einfach nicht verstehen warum die ärzte nicht mehr wußten oder mir nicht
mehr sagen wollten. immer wieder das gefühl nicht die wahrheit gesagt zu
bekommen.
meine erwartungen an die ärzte waren hoch gesteckt, ich wollte unbedingt
alles wissen.
die unsicherheit machte mich verrückt, damit konnte ich nicht umgehen.
realitäten, daran kann ich arbeiten, aber nicht zu wissen wo ich dran bin,
war unerträglich. ich war so wissbegierig, ich wollte mich nicht damit
abfinden nicht alles erfahren zu können. das alles machte mich unsagbar
wütend.
warum konnten die ärzte mir nicht mehr sagen?
warum wußten sie nicht mehr?
warum...

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