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acht wochen lagen hinter florians geburt, sechs wochen mehr krankenhaus als
ich erwartet hatte.
nach weihnachten bekam er neue turnübungen, das heißt, ich mußte umlernen.
noch einmal mußte ich mich dazu überwinden, denn ich war froh gewesen
endlich die anderen übungen richtig zu können. denn es braucht schon einige
zeit die unsicherheit zu überwinden, aber es war nicht mehr so schlimm wie
beim erstenmal.
florian wollte seine flasche nicht trinken, er saugte einfach nicht mehr.
darum hatte ich versucht, ihm seine milch mit dem löffel zu geben, was auch
klappte. also fütterte ich einen teil der milchmenge und der andere teil
wurde sondiert, denn ganz schaffte er die menge nicht mehr zu schlucken.
auch das war eine viel zu große anstrengung für ihn.
silvester war für mich kein freudenfest, meine gedanken waren bei florian.
mein leben bestand nur noch aus florian, mein zuhause war mehr und mehr eine
schlafstätte für mich geworden. gegessen haben mein mann und ich immer im restaurant,
das ging schneller, so hatte ich mehr zeit bei florian zu sein.
als wir am 1. januar 1987 ins krankenhaus kamen, ging es florian schlecht.
jede minute beobachtete ich mein kind. die angst wurde immer größer, und
niemand konnte sie mir nehmen. ich wurde fast verrückt, stundenlang auf mein
kind zu sehen, die angst im nacken und nicht helfen können.
am 2. januar fing er an, an seinen wimpern zu spielen.
ich habe darauf geachtet, kann genau den tag sagen und ich kann mich heute
noch darüber freuen.
florian wurde am 6. januar zwei monate alt, und die schwestern versuchten,
ihn auf sechs mahlzeiten umzustellen. er wog 5280 gramm, das gewicht war
sehr wichtig, denn um so schwerer florian war, desto schlechter bekam er
luft.
schon 3 tage später mußten die mahlzeiten wieder auf achtmal verabreicht
werden, da er sonst wieder alles ausspuckte. erst dann erholte sich florian
wieder etwas, er erbrach auch nichts mehr. bei sechs mahlzeiten war die
menge anscheinend noch zu groß für seinen magen.
wieder drei tage später, noch ein rückschlag.
ich war sehr traurig über seinen gesundheitszustand, und ausgerechnet an
diesem abend war florians taufgespräch. es war ein trauriges gespräch, aber
es wurden auch sachen gesagt, die ich bis heute nicht vergessen habe, z. b.
„ wer kann so arrogant sein, und erwarten das sein kind gesund zur welt
kommt?“ und ich muss sagen, das jener satz die wirklichkeit ausdrückt, so
hart er sich auch anhört. wenn man bedenkt, wie viele sachen zusammen passen
müssen um ein gesundes kind zu bekommen, es ist schon ein wunder. das es
überhaupt möglich ist, grenzt an ein wunder.
der tauftermin wurde für den 25. januar 1987 festgelegt.
- falls es florian gut geht, so planten wir, solle er mit einer
sauerstoffflasche in die kirche gebracht werden. anderenfalls findet die
taufe in einem krankenzimmer statt. ich wollte florian nicht auf der
intensivstation taufen lassen, mit all den geräten die ständig piepsen und
pfeifen.-
die schwestern hatten es erlaubt, sie würden sogar extra ein zimmer räumen.
es sind vielleicht nur kleinigkeiten, aber für mich waren diese dinge
wichtig gewesen und ich fühlte mich verstanden und ernstgenommen.
am 13. januar mußte er geröntgt werden, da er beim atmen stark röchelte. das
ergebnis war, daß florian bronchitis hatte, also mußte wieder ein
antibiotika angesetzt werden. das essen mußte wieder ganz sondiert werden,
florian hatte gar keine kraft mehr zum trinken oder schlucken.
wie soll ich nur meine gefühle ausdrücken, die angst ist unbeschreiblich.
ich weiß nicht wie oft ich an seinem bett geweint habe, ich konnte mich
leider nicht immer beherrschen. das weinen war für mich schon wichtig, die
gefühle raus lassen, aber für florian wollte ich doch immer stark sein.
tags drauf wieder ein lichtblick, der sauerstoff wurde reduziert. er bekam
auch wieder interesse an seinem spielzeug. florian hatte noch eine zweite
spieluhr am bett hängen, sie hatte eine lange kordel mit einer kugel diese
hielt er fest in der hand und schaukelte die spieluhr hin und her. immer und
immer wieder gab ich ihm die kugel, die er noch oft los ließ, damit konnte
er sich stundenlang beschäftigen. mir machte es große freude wieder eine
kontaktmöglichkeit mit ihm zu haben. florian sah auch mich beim spielen oft
an und er gab mir dabei so viel liebe zurück.
der 16. januar, war furchtbar. die ärzte sagten uns, florian hätte kaum
überlebungschancen.
ich wußte nichts zu denken.
ich wußte nichts zu tun.
ich wollte, die augen zumachen und nichts mehr sehen, denken, tun...
ich wollte..., wollte daß er lebt, menschenwürdig lebt.
ich wollte leere walten lassen.
sein sauerstoff lag teilweise am maximum 100%. gar nicht daran zu denken was
der sauerstoff alles in seinem gehirn oder an seinen augen anrichten könnte
(überhöhte sauerstoffzufuhr kann z.b. blindheit oder eine geistige
behinderung herbeiführen).
florian mußte intubiert werden, da er nicht mehr selbst atmen konnte. nun
erledigte eine maschine das für ihn, er wurde durch einen tubus
(beatmungsschlauch) beatmet.

wieder einmal brach eine welt für uns zusammen, mein mann und ich waren nur
noch am weinen und zittern zugleich. ich rief meinen schwager an, das er uns
abholen solle, da mein mann nach den aufregungen kein auto mehr fahren
konnte. die aufregungen waren zu groß.
als ich zu hause war, rief ich sofort den pfarrer und die paten an, dass
eine taufe in dringenden fällen für den nächsten morgen anstand. der pfarrer
hätte die taufe auch sofort durchgeführt, doch die ärzte meinten, dass
florian die nacht überleben würde, aber nicht den geplanten termin, dem 25.
januar 1987.
der 17. januar hieß vielleicht der letzte tag mit florian.
wie soll ich meine liebe zu florian beschreiben, sie war so übermächtig,
grenzenlos und einzigartig. sie war perfekt, das schönste was ich je erlebt
hatte. und nun sah ich, dass ich florian nicht mehr lange bei mir habe, um
sie ihm zu schenken. der tot tut der liebe zwar keinen abbruch, denn sie
geht über den tod hinaus, aber nach dem tod konnte ich sie nicht mehr
persönlich an florian vermitteln. all das dachte ich während seiner taufe,
und das tat so verdammt weh.
die taufe war für alle anwesenden tragisch. auf einem nachttisch neben
seinem bettchen stand seine taufkerze, sie durfte allerdings nicht brennen.
es wäre zu gefährlich gewesen, durch den sauerstoff hätte es zu einer
explosion kommen können. bei der taufe waren nur wenige familienmitglieder
anwesend. im anschluß an die taufe haben wir noch zeit bekommen mit florian
alleine zu sein. es war das erstemal, das mehr besuch offiziell mit florian
so nah zusammen sein durfte. auf die intensivstation durften nur die eltern,
die ansteckungsgefahr für die zum teil todkranken kinder war zu groß, um das
noch mehr besuch zu ihnen durfte. aber auch da war ich wieder nicht ganz
alleine mit florian, dass was alle eltern konnten, dazu hatte ich nie die
gelegenheit.
- irgendwie fühlte und fühle ich mich dessen betrogen –
mein schwager machte ein video von der taufe, was ich mir heute noch
manchmal ansehe.


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