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in ein paar monaten ist florians 12. todestag, und ich habe beim schreiben
alles noch einmal durchlebt. nichts ist vergessen, aber ich habe gelernt mit
der trauer zu leben. so gut es ging, habe ich versucht meine gefühle
niederzuschreiben, doch mußte ich feststellen, daß das nur andeutungsweise
geht, denn ich glaube, gefühle kann man nicht richtig zu papier bringen.
manchmal muß ich um florian weinen, meist wenn ich alleine bin und ich
wünsche mir dann es wäre jemand da der mit mir fühlt, mich versteht und mit
mir weint.
ich sage mir, daß ich das recht zu weinen auch heute noch habe; florian ist
mein kind!
es war verdammt schwer alles zu schreiben, denn ich wollte, so gut es ging,
doch meine gefühle beschreiben. also mußte ich alles ganz nah an mich ran
kommen lassen, und alle glücks-, angst-, verzweiflungs- und trauergefühle
mußte ich aufs neue durchleben. ich brauchte schon einige zeit bis es mir
wieder besser ging, diese zeit hatte ich nur, weil meine familie mir dies
ermöglichte. sie wußten wie wichtig es für mich war, dieses zu schreiben.
beim korrekturlesen mußte ich oft pausen machen, da mir die tränen es
versagten weiter zulesen. ich hatte dann das gefühl, ich müßte schreien vor
schmerz, besonders einmal als mir dann noch die geburtsanzeigen,
todesanzeigen, kranzschleifen u.s.w. in die hände fielen. diese sachen habe
ich aufbewahrt, und sie sind wichtig, wegschmeißen könnte ich sie nie.
auch, wenn ich florian sehr vermisse, hat mein leben wieder einen sinn und
eine aufgabe bekommen, ich kann weiterleben.
ich kann allen betroffenen eltern nur mut machen, wir können wieder lernen
zu lachen und das leben lebenswert zu finden. jeder muß seinen eigenen weg
finden, es gibt wohl kaum ein patentrezept, und es dauert lange, aber es
geht.
auch wenn es jahre dauert...
aussagen wie, ihr könnt ja wieder ein kind bekommen, es ist besser so, oder
ähnliche sätze können nicht trösten, sie zeigen nur ein nicht verstanden
werden.
es kommen immer zeiten in denen man sein kind über alles vermißt. wunden
heilen zwar, aber es bleiben narben und die können von zeit zu zeit risse
bekommen.
Wir dürfen nie aufgeben, es nützt unseren kindern nicht, wenn auch wir
aufhören zu leben, oder nur noch in trauer weiterleben. das hätten unsere
kinder wohl auch nicht gewollt.
kein mensch lebt umsonst, auch wenn es uns manchmal sehr grausam und sinnlos
erscheint.
wäre ich nicht immer bei florian gewesen, hätte ich viel versäumt.
er hat aus mir einen neuen menschen gemacht, mit vielen erfahrungen, so daß
ich heute viel bewußter lebe. durch ihn habe ich den wirklichen wert des
lebens erst kennen gelernt. florian hat mir soviel liebe geschenkt, und mir
gezeigt wieviel ein mensch doch aushalten kann, wenn er gefordert wird.
durch ihn bin ich stark geworden, mein jetziges leben (wieder mit einem
behinderten kind) zu leben. ich hoffe, daß ich ihm genauso viel gegeben habe,
wie er mir.
auf jeden fall bin ich dankbar für die zeit, die ich mit ihm verbringen
durfte.
es war ein geschenk, das ich in lieber erinnerung behalte.
mein sohn florian!
die idee alles auf zu schreiben stammt nicht von mir, ca. ein jahr nach
florians tod sprach mich die seelsorgerin, im kinderkrankenhaus an, ob ich
nicht florians geschichte aufschreiben wolle. ich war damals noch nicht in
der lage alles wieder aufs neue zu durchleben, die wunden waren noch zu frisch.
es wäre weit über meine kräfte gegangen, ich brauchte noch zeit, außerdem
traute ich es mir nicht zu, ein buch zu schreiben. irgendwann fiel mir ihr
vorschlag wieder ein, und fühlte mich stark genug, alles niederzuschreiben.
florian hätte heute einen pflegebruder, er ist 9 jahre alt, er kam als baby zu
uns.
florian wird trotzdem nie vergessen, er ist fest in unserem familienleben
verankert, tief im herzen.
seit 5 jahren lebe ich alleine, mit florians tod kamen immer mehr probleme
für unsere ehe, die für uns nicht zu bewältigen waren.
wir leben heute, in meiner heimatstadt, 300km weit entfernt von florians
grab, es war keine leichte und unüberlegte entscheidung, sie ist gewachsen.
doch ich muß nach vorne sehen was für uns gut ist, für florian kann ich leider
nichts mehr tun und ich glaube nicht, das er gewollt hätte, das ich mein
leben nach ihm allein gestalte.
immer, wenn ich heiko zu papa bringe fahren wir auch zu florians grab, es ist und bleibt
ein wichtiger ort für mich.
Ich bin froh das florian tod ist, was hätte er für ein leben vor sich
gehabt?
rennen nein
gehen nein
rollstuhl ja
beatmung ja
fixiert ja
zuhause leben nein
leidvolles leben ja
ständige abhängigkeit von maschinen und pflegepersonal
der einzige ausweg
.... der tod!
....danke für euer interesse!
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